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Kontakt:
Elmar
Luger
Amt der Stadt Dornbirn Rathausplatz 2 6850 Dornbirn Tel. 05572-306-4400
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2.4
Die Lebenswelt von Jugendlichen:
weitere wichtige Themenfelder
Durch die Eingrenzung des Forschungsprojekts auf das Thema "Freizeitverhalten von Jugendlichen in Dornbirn" mussten viele Themen und Entwicklungen, die für die Lebenswelt von jungen Leuten ebenso von Bedeutung sind, vernachlässigt werden. In der Folge wird eine Auflistung vorgenommen, um weitere Entscheidungsfelder für politisch Verantwortliche, sowie etwaige zukünftige Forschungsfelder zu umreißen.
| Umsetzungen | ||
| 2002 | Neues Konzept Dornbirner Jugendwerkstätten pdf | |
| Schuldenprävention pdf | ||
| Jugendbeteiligung Dornbirn http://www.jugendornbirn.at | ||
2.4.1 Lebensbereich Schule und Ausbildung
Laut aktueller Jugendwertestudie (Friesl, C. (Hrsg.): Experiment Jung-Sein. Die Wertewelt österreichischer Jugendlicher, Wien 2001) hat die Bildung für die Jugendlichen einen hohen Stellenwert. 86% der 14- bis 24jährigen halten Schule und Ausbildung für sehr bzw. ziemlich wichtig. Dabei zeigt sich, dass von den Jugendlichen, die derzeit eine (Schul-) Ausbildung absolvieren, 41% bereits wissen, in welcher Richtung sie später beruflich tätig sein werden, ein weiteres Drittel ist sich eher sicher, ein Viertel ist in dieser Hinsicht noch unsicher.
Skeptisch zeigen sich die Jugendlichen in Bezug auf die Berufstauglichkeit ihrer derzeitigen Ausbildung. Männliche Schüler sind hier optimistischer als weibliche. Die Skepsis zeigt sich auch beim Wunsch nach mehr Berufsinformation: mehr als die Hälfte der Befragten meint, dass mehr Berufsorientierung in die schulische Ausbildung einfließen muss.
Dabei ist den Jugendlichen klar, dass eine gute Allgemeinbildung für einen qualifizierten Beruf zuwenig ist. Nahezu zwei Drittel der Burschen und Mädchen, die sich noch in Ausbildung befinden, haben ein Studium an einer Fachschule, Hochschule oder Universität absolviert, oder noch vor eines zu beginnen. Dabei geben weniger als die Hälfte der Jugendlichen an, vor dieser Weiterbildungschance ausreichend über die Studienmöglichkeiten in Österreich informiert worden zu sein. Wieder zeigt sich, dass die Hälfte der Jugendlichen die mangelnden Informationsmöglichkeiten beklagt. Ob die Informationsangebote von Schule und kommunalen Einrichtungen über Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten in Dornbirn ausreichend sind und auch entsprechend wahrgenommen werden ist ein Teilaspekt eines möglichen, neuen Forschungsprojekts.
2.4.2 Beruf als Lebenskonzept
Die Arbeit als wichtiger Lebensbereich hat österreichweit vor allem bei den 20-bis 24jährigen an Bedeutung gewonnen. Die Tätigkeit soll interessant sein, den eigenen Fähigkeiten entsprechen und verantwortungsvoll sein. Der letzte Punkt hat im Vergleichszeitraum von 10 Jahren am meisten zugelegt (+17%). Dafür nehmen die Jugendlichen auch mehr Stress in Kauf. Diese Ergebnisse der österreichischen Jugendwertestudie weisen darauf hin, dass diese Bevölkerungsgruppe trotz Spaß an Konsum und Freizeit das Lebensziel Beruf ernst nimmt. (Friesl, C. (Hrsg.): Experiment Jung-Sein. Die Wertewelt österreichischer Jugendlicher, Wien 2001)
Drei von vier Jugendlichen finden es laut einer Studie schwierig, einen Arbeitsplatz zu finden. Wichtige Informationen in Berufsfragen erhalten Sie vom privaten Umfeld (Eltern und Freunde – jeweils mehr als 60%) sowie durch öffentliche Beratungseinrichtungen wie Berufsmessen (66%) und Arbeitsamt (54%) (Oberösterreichische Jugendstudie 2000; Linz 2000). So wird die Berufsorientierung von einer vorgegebenen Ordnung zu einem selbst gewählten Lebenskonzept, für das man sich persönlich einsetzen muss.
Schlechte Ausgangsvoraussetzungen bei der Primärsozialisation (Schulbildung bzw. Engagement der Eltern), sowie fehlende Qualifikation können zu einem "erzwungenen Freizeitverhalten" führen. Elterliche Unterstützung, Qualität der Schulbildung sowie mögliche kommunale Informationsangebote können diese Rahmenbedingungen entscheidend beeinflussen. Hier wäre vor allem eine Evaluation der "Beschäftigungsinitiative Dornbirner Jugendwerkstätten" interessant.
2.4.3 Jugendliche mit speziellen Bedürfnissen
Die Situation von Jugendlichen aus MigrantInnenfamilien wurde im Rahmen der Studie ausführlich behandelt. Jugendliche mit speziellen Bedürfnissen, die oftmals beruflich und sozial schwer benachteiligt sind, sind zu kurz gekommen. Hier könnte auch evaluiert werden, ob es im Rahmen des Dornbirner Jugendangebotes auch niederschwellige Betreuungseinrichtungen für Jugendliche in schwierigen Situationen (Suchtgefährdung, Schulabbrecher, Arbeitslosigkeit, körperliche und/oder geistige Behinderung, Jugendliche, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind, etc.) gibt, wie sie angenommen werden und welche Verbesserungsmöglichkeiten diesbezüglich vorgeschlagen werden.
2.4.4 Jugend und Armut
Galten private Schulden bis vor wenigen Jahren noch als gesellschaftliches Tabu und persönliches Problem (nach dem Motto "selber schuld"), so bieten die Schuldnerberatungsstellen in den Bundesländern professionelle Hilfestellung, wenn Menschen in finanzielle Schwierigkeiten sind oder zu gelangen drohen. Heute müssen sich immer mehr der in Armut lebenden Menschen mit riesigen Schuldenbergen zurechtfinden. So leben 67.000 österreichische Familien, das sind 152.000 Kinder, in Not. Seit 1989 hat sich die Verschuldung der einzelnen Haushalte verdreifacht. Auch in Dornbirn gibt es nicht nur begüterte Gruppen, sondern auch einen hoher Anteil an verschuldeten Haushalten.
Eine Untersuchung der Schuldnerberatung Salzburg kommt zum Ergebnis, dass nahezu 2/3 aller Befragten den Zeitraum der Erstverschuldung im Alter zwischen 15 und 25 Jahren nennen. So macht die Studie deutlich, dass die ersten Schulden ganz wesentlich vom Kauf eines Kraftfahrzeuges dominiert werden. Auch wird die Spanne zwischen Erstverschuldung und dem Punkt, wo Schulden als Problem gesehen werden, offenkundig. Sie liegt etwa bei fünf Jahren, wobei gerade innerhalb dieser Zeit die Überschuldung häufig verdrängt wird. Nicht das scheinbare schrankenlose Konsumverhalten von jungen Menschen führen in der Regel zu Verschuldung, sondern ganz normale Lebensrisiken führen immer öfter zum Schuldenberg, so die vertretene These der Schuldnerberatungsstellen. Das zeigen auch die Daten der Fesselstudie "Jugend 1997", bei der etwa 2/3 der repräsentativen jugendlichen Stichprobe mit der Meinung "wenn mir etwas gefällt, kaufe ich es, ohne lange zu überlegen, was es kostet" nicht übereinstimmten(Fessel-GfK 1997, 451). Hier wäre die Rolle der Banken in Dornbirn bei der Vergabe an Krediten bzw. Leasings an berufstätigen Jugendlichen, zu untersuchen.
Kritische Ereignisse in der Lebensbiographie wie Erkrankung, Arbeitsplatzverlust oder Trennung sind weitere häufiger Schnittpunkte einer Schuldenkarriere. Aber auch Familientraditionen wie beispielsweise der alltäglich Kauf von Konsumgütern auf Kredit oder die regelmäßige Überziehung des Girokontos sind oft in einer ganzen Familie üblich und selbstverständlich und werden von den Eltern an die Kinder weitergegeben. Die Rolle von Einrichtungen in Dornbirn, die sich mit dem "Auffangen" von Jugendlichen in finanziellen Krisensituationen beschäftigen, wäre ein wichtiger Punkt der Evaluation (z.B. Dornbirner Jugendwerkstätten, Jugendsozialarbeit in offenen Handlungsfeldern, Aktivitäten der Jugendinformationsstelle aha, geförderte Jugendwohnungen, Notschlafstellen, etc.).
2.4.5 Gesellschaftliche Partizipation von Jugendlichen
Das politische Interesse Jugendlicher ist in Österreich nicht besonders groß. Die Ablehnung der Politik durch Jugendliche bezieht sich dabei in erster Linie auf institutionelle Politik. Interesse an Politik wird sehr häufig auch als Interesse an eben dieser institutionellen Politik verstanden. Politik, das heißt Parteien, Verhandlungen, Parlament. Diese Tendenz bestätigt sich auch in der aktuellen Jugend – Wertestudie (Friesl, C. (Hrsg.): Experiment Jung-Sein. Die Wertewelt österreichischer Jugendlicher, Wien 2001): Nur 11 Prozent der Jugendlichen zwischen 14 und 24 Jahren interessieren sich für Politik "sehr stark", weitere 34 Prozent "etwas". Die Mehrheit der jugendlichen Österreicher hat jedoch "kaum" (27%) oder "gar kein" (26%) Interesse an Politik. Vergleicht man die Daten mit der Erhebung von 1990 kann ein weiterer – wenn auch geringer – Rückgang des Interesses an Politik nachgewiesen werden. Es zeigt sich auch, dass das Interesse an Politik stark alters- und bildungsabhängig (So sind StudentInnen zu 31% sehr an Politik interessiert, Schüler der AHS-Oberstufe noch zu 19%, während SchülerInnen anderer Schultypen zu weniger als 10% daran interessiert sind.) ist.
Dem geringen Interesse widerspricht das Bild bei der Teilnahme an politischen Aktionen. Hier zeigt sich, dass die Selbsteinschätzung des ‚Interesses an Politik’ sich auf institutionelle Politik bezieht, denn die Beteiligung an (basis)demokratischen Aktivitäten ist relativ hoch. 45% der Jugendlichen haben sich an Unterschriftensammlungen beteiligt, 19% haben bereits einmal demonstriert, 42% bei Spendenaktionen mitgemacht, 9% gestreikt, 3% waren bereits bei Bürgerinitiativen oder Ähnlichem aktiv.
Hier könnte evaluiert werden, wie die Möglichkeiten partizipativer Beteiligung von den Dornbirner Jugendlichen genutzt werden. Dazu ist auch die direkte Beteiligung an kommunalen Einrichtungen, wie z.B. der Jugendgemeinderat, sowie die indirekte Mitgestaltungsmöglichkeit wie z.B. Stadtjugendbeirat oder "Verein Jugendbeteiligung Dornbirn" näher zu analysieren.