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Kontakt: Elmar Luger Amt der Stadt Dornbirn Rathausplatz 2 6850 Dornbirn Tel. 05572-306-4400
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Mit freundlicher Unterstützung der Vbg. Landesregierung, Bereiche Jugend, Familie und Gemeindeentwicklung

 
Index
1.5.1 Persönliches      Lebensglück
1.5.2 Wertorientierungen
     von Jugendlichen

1.5.3 Themen, die      Jugendliche beschäftigen
1.5.4 Engagementbereit-
      schaft von Jugendlichen

1.5 Jugend und Werte

1.5.1 Persönliches Lebensglück

Fragt man Jugendliche danach, was zu ihrem ganz persönlichen Lebensglück gehört; werden Freunde und FreundInnen, die Familie sowie ein Partner/eine Partnerin am häufigsten genannt. Das überrascht nicht, obwohl in der Öffentlichkeit oft ein anderes Bild von Jugendlichen gezeigt wird (Konsum, Besitz, Gewalt, ...). Gute Beziehungen (ein sozialer Kontext) sind ganz zentral für das persönliche Lebensglück aber auch Gesundheit, ein guter Job und/oder Ausbildung, Erfolg in der Schule und natürlich auch Geld. Weiters werden Liebe, Zufriedenheit, Spaß und Freude genannt.

1.5.2 Wertorientierungen von Jugendlichen

Befasst man sich mit Werten und Werthaltungen Jugendlicher, so muss zunächst der Versuch unternommen werden, die Begrifflichkeit zu klären. Werte sind "bewusste oder unbewusste Vorstellungen des Gewünschten, die sich als Präferenz bei der Wahl zwischen Handlungsalternativen niederschlagen." (Lexikon zur Soziologie, 1994, 739).

Damit sind Werthaltungen gesellschaftlich relevant und gelten "als zentral für die Organisation einer Gesellschaft: sie bilden Maßstäbe des Handelns für zahlreiche Situationen; der Grad ihrer Verbindlichkeit für alle Mitglieder lässt auf die Integration einer Gesellschaft schließen". Je widerspruchsfreier ein gesellschaftliches Wertsystem ist, desto geringer sind die Konflikte. In der vorliegenden Jugendstudie werden Wertorientierungen von Jugendlichen anhand des Werte-Inventars von Klages (vgl. Klages 1983) überprüft. Dieses Werteinventar enthält nun 13 statt bisher 12 Wertvorgaben, die in Kurzform dargestellt werden:

Wertorientierungen

In den Vorstellungen der Dornbirner Jugendlichen stehen postmaterialistische Werthaltungen im Vordergrund, wobei es sich hier nicht um einen Abschied vom Materialismus handelt sondern um einen additiven Wertewandel. Im Vergleich zu materiellen Sehnsüchten, die zum großen Teil gestillt sind, werden "postmaterielle" wichtiger: Hedonismus, Autonomie, Selbstverwirklichung, Toleranz, Geschlechterdemokratie. Der Abstand allerdings zu den "traditionellen" Werten "Sicherheit" und "Anpassung" ist nur ein geringfügiger. Die Wertepräferenzen der Dornbirner Jugendlichen zeigen demnach zugleich auf Tendenzen der stärkeren Individualisierung aber auch der Traditionsbindung.

Lebenswichtigkeiten

In diesem Zusammenhang wurden auch zwei Detailanalysen durchgeführt. Zunächst wurden die Lebenswichtigkeiten nach Geschlecht analysiert. Sicherheit, Fleiß und Ehrgeiz, politisches Engagement, Macht und Einfluss – in all diesen Dimensionen gibt es geschlechtsspezifische Differenzen zu Gunsten der Burschen, die diesen mehr Bedeutung einräumen als die Mädchen. Eine einzige Dimension wird von Mädchen, fast könnte man sagen "logischerweise", präferiert und diese lautet "Gleichberechtigung".

Mit Ausnahme der Dimension "Gleichberechtigung" gewinnen alle Werte mit dem Alter an Bedeutung.

Lebenswichtigkeiten nach Geschlecht

Lebenswichtigkeiten nach Alter

Diese Ergebnisse können insgesamt mit der These der Pluralisierung von Bewusstseinslagen vereinbart werden. Allgemeine Verbindlichkeiten von Werten werden zunehmend durch gruppenspezifisch akzeptierte Werte abgelöst. Der Wandel hat jedoch bisher nicht zur Ablösung der "alten" durch die "neuen" Werte geführt. Vielmehr sprechen die Ergebnisse dafür, dass sich derzeit in den Reaktionen der Jugendlichen alte’ und neue’ Bewusstseinslagen und Orientierungsmuster vermengen.

 

1.5.3 Themen, die Jugendliche beschäftigen

Die Sorge um die Umwelt gehört nach wie vor zu den zentralen Themen, die Jugendliche beschäftigen. So steht auch "die Zerstörung der Umwelt", gefolgt von Rassismus, Krieg und Kriminalität an erster Stelle bei den Problemen, die Jugendliche wahrnehmen und auch belastend erleben.

Mädchen sind generell besorgter als ihre männlichen Kollegen mit Ausnahme der Themenbereiche "extreme politische Tendenzen in Österreich", "Ausländeranteil in Dornbirn" und "keine politische Mitsprachemöglichkeit". Die verstärkte Sorge der Burschen gerade bei diesen Themen könnte auf eine ambivalente Haltung in Bezug auf Migrantenfamilien hinweisen: Einerseits das Wahrnehmen von einer restriktiven, ausländerfeindlichen Politik insgesamt und andererseits die Sorge zu kurz zu kommen, also im Sinne von Verteilungsgerechtigkeit.

Themen die Beunruhigen nach Geschlecht

Mädchen sind deutlich besorgter "arbeitslos zu sein bzw. keinen Job zu finden" und "keine zukunftsorientierten Ausbildungsmöglichkeit" zu finden als Burschen. "Die gesellschaftliche Krise hat die Jugend erreicht" war das Thema einer großen deutschen Studie Mitte der 90er Jahre. Auch unser Ergebnis spiegelt ein Stück dieser gesellschaftlichen Krise wider und zeigt deutlich auf, dass objektive Benachteiligungen von Frauen am Arbeitsmarkt auch von weiblichen Jugendlichen wahrgenommen werden und Betroffenheit und Sorge auslösen.

 

1.5.4 Engagementbereitschaft von Jugendlichen

In der vorliegenden Jugendstudie wurde auch nach den Bedingungen gefragt, die für ein Engagement in Organisationen bzw. Vereinen wichtig wären. Anhand von 17 vorgegebenen Faktoren mussten sich die Jugendlichen (sehr wichtig, wichtig, weniger wichtig, unwichtig) positionieren. Die fünf wichtigsten Voraussetzungen sind für die befragten 14- bis 25jährigen vor allem Spaß (MW 1,13), Mitbestimmung (MW 1,79) und neue Freunde kennen lernen (MW1,94). Die Faktoren "wichtig für die Gesellschaft" und "Geld verdienen" stehen unten im Ranking und werden als am wenigsten wichtig eingeschätzt.

Motive für Engagement

Jugendliche möchten sich - und das zeigen die Daten ganz deutlich - engagieren, jedoch bedeutet dies mitbestimmen, handeln und selbst aktiv sein und sich nicht vereinnahmen zu lassen. Ein Engagement in Organisationen, Vereinen oder Initiativen, das auf Freiwilligkeit aufbaut, genügend Freiheits- und Handlungsspielräume offen lässt und in kommunikative Prozesse eingebunden ist, bereitet Spaß - wobei Spaß nichts anderes bedeutet, als von sinnvollen Zielvorstellungen überzeugt zu sein und Möglichkeiten für Erfolgserlebnisse zu haben.

Konkret bedeutet das bei jungen Menschen, dass sie das Warum, Wofür und Wie lange ihres Handelns selbst bestimmen möchten, denn es geht auch um ihre eigenen Interessen. Der Ich-Bezug zur eigenen Lebensumwelt muss dabei erhalten bleiben, sonst verliert es den Freizeit-Charakter. Engagement steht daher auch immer in der Spannung zwischen Selbstbetätigung und Selbstbestätigung.

Wer junge Menschen für ein Engagement in einer Organisation oder in einem Verein gewinnen möchte, muss jedoch auch geschlechtsspezifische Präferenzen berücksichtigen.

Für Mädchen und junge Frauen ist vor allem der Spaß-Faktor besonders wichtig, es muss ihnen etwas bringen und FreundInnen müssen mitmachen. Für Burschen ist die Mitbestimmungsmöglichkeit wichtiger, dass es keine Vorschriften gibt, sie ihre Fähigkeiten einbringen können und etwas fürs Leben lernen.

Aber nicht nur diese Bedingungen bzw. Voraussetzungen sind wichtig für ein Engagement in Organisationen, Verbänden oder Vereinen, sondern auch die Themen und Inhalte müssen stimmen. Mehr als die Hälfte der Befragten fühlen sich beim Thema "Menschenrechte" (55%) angesprochen; weiters interessieren die Themen illegale Drogen (41%), Gleichberechtigung (40%) Schule/Bildung (37%), Krieg-Frieden (37%), Umweltschutz (31%), Multikultur (32%), Demokratie/Mitbestimmung (31%), Armut-Wohlstand (32%), Arbeitsmarkt (20%), Zusammenleben der Generationen (16%), Glaube (15%) und Mobilität (20%).

Auch hier sind geschlechtsspezifische Differenzen deutlich erkennbar: Mädchen fühlen sich beim Thema Gleichberechtigung fast doppelt so häufig angesprochen als Burschen; gefolgt von Schule/Bildung und Umweltschutz. Burschen interessieren sich stärker für Demokratie/Mitbestimmung, Arbeitsmarkt, Glaube und das Zusammenleben der Generationen als Mädchen.